Frühjahrsputz im Stall – Die richtige Lederpflege

Die Lederpflege scheint die Reiterwelt in zwei Lager zu spalten. Team Putzteufel oder Team Passtschon? Manche finden es fast schon meditativ ihr Sattelzeug zu reinigen und tun dies mit absoluter Hingabe und andere sind beinah stolz darauf es nie zu pflegen und sich jahrelang erfolgreich zu drücken. Fakt ist jedoch, dass es meist keine teurere Anschaffung im Leben eines Pferdes/Reiters gibt als das passende Sattelzeug. Trensen kann man in einer Preisspanne von unter Hundert bis über 500 Euro erwerben und der Sattel hat locker den Kaufwert eines gebrauchten Kleinwagens. Bei diesen Summen kann ein wenig putzen wohl nicht schaden…

Warum sollte ich mein Sattelzeug pflegen?

Das meiste Zubehör an unseren Pferden besteht aus Leder. Allen voran der Sattel, der Trensenzaum und ggf. Vorderzeuge oder Hilfszügel. Leder ist ein Naturprodukt und anfällig für äußere Einflüsse. Nässe in Form von Regen oder hoher Luftfeuchtigkeit, der Pferdeschweiß, lange Trockenheit, Sonneneinstrahlung, Sand, Matsch und natürlich die tägliche (Ab-)Nutzung setzen auch dem hochwertigsten Leder mit der Zeit zu. Ungepflegtes Leder wird daher schneller brüchig und stellt ein hohes Sicherheitsrisiko für Reiter und Pferd dar. Gerissene Zügel, Steigbügelriemen oder Gurtstrupfen bergen ein enormes Unfallpotential, vor allem da sie immer im ungünstigsten Moment aufgeben… Die Pflege und Reinigung trägt also nicht nur zur besseren Optik unseres Equipments bei, sondern auch zu dessen Langlebigkeit.

Wie oft sollte ich mein Sattelzeug pflegen?

Das hängt unter anderem davon ab wie viel das Sattelzeug genutzt wird. Wenn es nur ein-zweimal pro Woche im Einsatz ist reicht eine Grundreinigung einmal im Monat aus. Wer sein Equipment täglich nutzt, sollte schon wöchentlich den groben Schmutz entfernen und alle zwei Wochen eine gründlichere Pflege vornehmen. Ist das Sattelzeug jedoch nass geworden, sollte man immer direkt handeln um das Leder vor späteren Rissen zu schützen.

Worauf muss ich achten?

Die meisten Sättel und Trensen bestehen aus Glattleder. Wer jedoch einen Sattel aus Wildleder oder einem synthetischen Material hat muss hierfür spezielle Pflegemittel anschaffen.

Was benötige ich für die richtige Lederpflege?

Am besten richtet man sich eine kleine Box oder ein Eimerchen her, das immer griffbereit am Stall ist. Für die Pflege benötigt man folgendes:

  • Sattelbock
  • Eimerchen
  • Schwamm (Ohne raue Flächen!)
  • Weicher Pinsel oder kleines Tuch
  • Weiches sauberes Tuch
  • Lederreiniger (Sattelseife ect.)
  • Lederpflege (Fett, Öl, Balsam, …)
  • Wolltuch

Auseinandernehmen ja oder nein?

Ja! Wer es wirklich gründlich machen möchte, baut sein Sattelzeug auseinander. Gerade an den Stellen an denen die Schnallen sitzen, sollte gepflegt werden da hier das Leder geknickt und dadurch mehr beansprucht wird. Wenn ihr also einmal etwas mehr Zeit übrig habt, schadet es nicht die Steigbügel und Riemen auszuschnallen und auch die Trense einmal in ihre Einzelteile zu zerlegen. Wer gerne puzzelt hat beim Zusammensetzen der Trense hinterher bestimmt viel Spaß… spätestens beim nächsten Auftrensen stellt sich heraus, ob man es geschafft hat. 😉

Wie geht´s richtig?

Schritt eins: Wasser und Seife (Reiniger)

Mit etwas Wasser und Sattelreiniger wird der grobe Schmutz mit einem Schwamm entfernt. Dabei auch unbedingt die Sattelblätter anheben und diesen auch einmal umdrehen und die Polster reinigen. Diese haben Kontakt zur Schabracke und damit zum Schweiß des Pferdes, welcher das Leder dauerhaft mürbe machen kann. Generell ist es wichtig nicht zu viel Wasser zu verwenden, da dieses das Leder aufweicht und beim Trocknen mürbe macht. Achtung: das Schwämmchen sollte immer wieder ausgewaschen werden, vor allem wenn viel grober Schmutz (Sand, Matsch) am Sattelzeug war. Die kleinen Schmutzpartikel wirken sonst wie Schmirgelpapier und machen hässliche Kratzer ins Leder!

Schritt zwei: Trocknen

Im nächsten Schritt nehmt ihr ein weiches Tuch und trocknet den gesamten Sattel und die Trense gründlich ab. Dieser Schritt wird oft ausgelassen, ist aber sehr wichtig. Denn wer die Lederpflege direkt auf den noch feuchten Sattel aufträgt,  behält dadurch zu viel Feuchtigkeit im Leder, wodurch es aufquellen und sich ausdehnen kann. Das gibt später unschöne Falten und macht das Leder angreifbar.

Schritt Drei: Pflegen mit Balsam, Fett oder Öl

Sattler greifen hier zu einem weichen Pinsel und tragen die Lederpflege in einer dünnen gleichmäßigen Schicht auf. Der Vorteil am Pinsel ist, dass man sehr gut unters Sattelblatt kommt und meist nicht zu viel aufträgt. Man kann aber auch ein weiches Tuch verwenden.

Soll man die Sitzfläche ebenfalls pflegen?

Ja! Natürlich sollte auch die Sitzfläche des Sattels mit einbalsamiert werden. Hierauf sitzen wir und beanspruchen das Leder besonders viel. Auch hier gilt allerdings: in Maßen nicht in Massen! Direkt vor dem Reiten ist es aber selbstverständlich nicht sinnvoll die Sitzfläche zu fetten. Die Pflege sollte am besten 10-20 Minuten einziehen und dann mit einem Lappen abgenommen werden oder über Nacht einziehen können, so werden auch die weißen Turnierhosen vor Flecken geschont.

Soll man die Gurtstrippen, Steigbügelriemen und Zügel einfetten?

Klares Jaein! Die meisten Sattler empfehlen, dass man mit den Resten die am leicht abgetrockneten Pinsel oder Tuch verblieben sind ein wenig darüber gehen sollte. Vom expliziten Einfetten oder gar Ölen wird allerdings abgeraten, da sich das Leder dadurch erweicht und dehnt. Ungleiche Steigbügelriemen und Gurtstrupfen können daraus resultieren und die Zügel werden zu nachgiebig. Seid bei den Riemen also sehr sparsam!

Schritt vier: Das Finish!

Wer sein Equipment besonders zum Glänzen bringen möchte, kann nun mit einem Wolltuch polieren und die Lederpflege nach 10-20 Minuten Einwirkzeit abreiben. Das hat auch den Vorteil, dass nicht zu viel Pflege auf dem Sattelzeug verbleibt und es keine Rückstände gibt.

Welche Produkte sollte ich benutzen?

Der Markt ist voll mit Reinigern, Kombiprodukten, Balsamen, Fetten und Ölen und jeder hat so seine Vorlieben. Es lohnt sich allerdings einen Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen, denn: Das Sattelzeug liegt an einigen Stellen direkt auf dem Pferdekörper auf und dadurch gelangen auch die Stoffe in der Lederpflege direkt an und in die Pferdehaut. Es ist gar nicht so selten, dass es zu allergischen Reaktionen kommt und selbst wenn es nicht gleich offensichtlich ein Problem gibt, gibt es einige Substanzen die man lieber nicht ans Pferd lässt.

Woran erkenne ich eine gute Lederpflege?

Eine gute Pflege sollte nicht abfärben, keine Rückstände hinterlassen und am besten dem PH Wert von Leder angepasst sein.

Weniger ist mehr und was ich nicht an meinem Körper haben möchte, sollte auch nicht auf meinem Pferd landen. Mineralöle und Petroleum sind für eine gute Pflege unnötig und schaden auch noch der Umwelt. Auch bei der oft empfohlenen Glycerinseife lohnt sich ein genauerer Blick, denn herkömmliches Glycerin ist ein synthetisches Nebenprodukt der Erdölchemie und für eine gute Reinigung nicht notwendig.

Unsere Produktempfehlung, die uns beim Testen ausnahmslos überzeugt hat:

Die 100% natürliche Lederpflege von Sterling Essentials.

Sie nährt und schützt das Leder mit einer Mischung aus natürlichem Bienenwachs und ätherischen Ölen und ist speziell auf den pH Wert von Leder abgestimmt, um dieses lange geschmeidig zu halten. Durch seine glycerin- und petroleumfreie Rezeptur eignet es sich hervorragend für sensible Pferde (und Menschen). Sie zieht sofort ein, klebt nicht und hinterlässt keine unschönen Rückstände – zurück bleibt nur der angenehme Duft nach blumigem Citrus, Lavendel oder Eukalyptus.

Alle drei Varianten riechen toll und der Conditioner lässt sich sogar als Handbalsam nutzen. Unser Geruchsliebling ist Floral Citrus!